Mit armenischer Seele auf deutschen Opernbühnen – Ein Gespräch mit Frau Aleksanyan
Liana Aleksanyan ist eine international gefeierte Opernsängerin mit armenischen Wurzeln, die heute in Düsseldorf lebt und wirkt. Ihre musikalische Reise begann in Armenien, wo sie ihre Ausbildung erhielt, bevor sie den mutigen Schritt nach Deutschland wagte, um ihre künstlerische Laufbahn weiterzuentwickeln. Mit ihrer warmen, ausdrucksstarken Stimme und ihrer intensiven Bühnenpräsenz begeistert sie Publikum und Kritik gleichermaßen in renommierten Opernhäusern in Deutschland und weltweit. Besonders geprägt von ihrer armenischen Identität, verleiht sie jeder Rolle eine unverwechselbare Tiefe und emotionale Authentizität. „Meine armenische Identität ist ein untrennbarer Teil von mir als Künstlerin“, sagt sie im Gespräch mit Sirarpi Movsisyan.
Frau Aleksanyan, Sie sind in Armenien aufgewachsen und haben dort Ihre musikalische Ausbildung begonnen. Was hat Sie dazu inspiriert, Ihre Opernkarriere in Deutschland fortzusetzen, und welchen Herausforderungen sind Sie dabei begegnet?
Ich habe meine musikalische Reise in Armenien begonnen, einem Land, das reich an kulturellem Erbe und künstlerischer Tradition ist. Musik war immer ein Teil meines Lebens, zuerst durch das Klavier, dann durch den Gesang. Armenien hat mir ein starkes Fundament gegeben, aber ich verspürte den tiefen Wunsch, die Welt der Oper noch umfassender zu entdecken. Deutschland mit seiner lebendigen Opernszene und seiner Wertschätzung für klassische Musik war dafür die natürliche Wahl.
Natürlich war der Weg nicht einfach: Sich an eine neue Kultur anzupassen, die Sprache zu meistern und sich künstlerisch in einem sehr wettbewerbsintensiven Umfeld zu behaupten, erforderte Ausdauer und innere Stärke. Doch jede Herausforderung hat mich etwas Wertvolles gelehrt und mein Engagement für diese Kunstform vertieft.
Sie treten in renommierten Opernhäusern in Deutschland und weltweit auf. Welche Rolle spielt Ihre armenische Identität in Ihrer künstlerischen Arbeit und wie beeinflusst sie Ihre Interpretation von Opernrollen?
Meine armenische Identität ist ein untrennbarer Teil von mir als Künstlerin. Sie verleiht mir emotionale Tiefe, eine besondere Verbindung zum Erzählen von Geschichten und eine innere Intensität, die ich in jede Rolle einbringe.
Aus einer Kultur zu kommen, in der Musik und Poesie so hoch geschätzt werden, bedeutet für mich, dass ich oft auf diese emotionalen Wurzeln zurückgreife – besonders bei Rollen, die ein tiefes Verständnis von Leid, Liebe und Opfer verlangen. Ob Cio-Cio San, Tosca oder Tatjana – in jeder Interpretation steckt immer ein Teil meiner armenischen Seele.
Die deutsch-armenischen Kulturbeziehungen haben sich in den letzten Jahren intensiviert. Sehen Sie sich selbst als kulturelle Botschafterin zwischen den beiden Ländern? Gibt es bestimmte Projekte oder Kooperationen, die Ihnen besonders am Herzen liegen?
Ja, ich empfinde tatsächlich ein Gefühl der Verantwortung – und auch des Stolzes – eine Art kulturelle Brücke zwischen Armenien und Deutschland zu sein. Ich versuche, den Geist Armeniens auf jede Bühne mitzunehmen, auf der ich singe, und zugleich die künstlerischen Traditionen der Länder, in denen ich arbeite, zu würdigen.
Einer meiner größten Wünsche ist es, noch mehr Zusammenarbeit zwischen armenischen und deutschen Kultureinrichtungen zu sehen. Sehr gerne würde ich mich an Projekten beteiligen, die armenische Komponisten oder Geschichten dem deutschen Publikum näherbringen – oder umgekehrt. Für mich bedeutet kultureller Austausch nicht nur Repräsentation, sondern auch den Aufbau von Verständnis und emotionaler Resonanz zwischen Menschen.
Wie unterscheidet sich die Opernwelt in Deutschland von der in Armenien? Gibt es Aspekte der deutschen Opernkultur, die Sie besonders schätzen, oder Elemente der armenischen Musiktradition, die Sie sich in Deutschland stärker vertreten wünschen würden?
Deutschland verfügt über eine einzigartig reiche Operninfrastruktur, die von großen Staatstheatern bis hin zu kleineren regionalen Häusern reicht. In der Gesellschaft gibt es eine tiefe Wertschätzung für klassische Musik und die Oper wird institutionell so unterstützt, dass Künstler wachsen und experimentieren können.
In Armenien ist die Operntradition zwar stark, die Mittel sind jedoch begrenzt. Doch die emotionale Aufrichtigkeit und die natürliche Musikalität der armenischen Künstlerinnen und Künstler sind wirklich außergewöhnlich. Ich würde mir wünschen, dass in Deutschland mehr armenisches Repertoire oder armenische Einflüsse – sei es durch Gastauftritte, Konzerte oder Kooperationen – vertreten wären. Die armenische Musik hat so viel Schönheit zu bieten.
Welchen Rat würden Sie jungen armenischen Sängerinnen und Sängern geben, die von einer internationalen Karriere träumen? Welche wichtigen Lektionen haben Sie auf Ihrem eigenen Weg gelernt?
Glauben Sie an sich, aber seien Sie auch bereit, hart zu arbeiten, bescheiden zu bleiben und ständig weiterzulernen. In der Opernwelt sind neben Talent auch Disziplin, Widerstandskraft und Geduld gefragt.
Haben Sie keine Angst, Ihre Komfortzone zu verlassen. Erkunden Sie Neues, gehen Sie Risiken ein und bleiben Sie offen dafür, aus jeder Kultur und Erfahrung zu lernen. Gleichzeitig sollten Sie nie vergessen, woher Sie kommen. Ihre Wurzeln werden Ihnen immer Stärke und Authentizität verleihen.
Eine der wichtigsten Lektionen, die ich gelernt habe, ist: Erfolg verläuft nicht geradlinig. Es gibt Höhen und Tiefen, aber entscheidend ist, seiner eigenen Stimme treu zu bleiben – sowohl musikalisch als auch persönlich.